Pressetext

„Neues Wetter!“ rufen ein Leipziger und ein Münchner Kunsthochschulabsolvent und kuratieren eine auf eben diesen Namen getaufte Ausstellung mit Meisterschülern und Abgängern der Akademien beider Städte. Schon wieder so ein verbrämter Ismus! Der ewige Imperativ der Kunst in Verbindung mit einem der trivialsten Gesprächsthemen?

In den Werken wird geschrubbt, gebaut, gefeiert, es werden U-Bahn-Gleise auf Hochglanz poliert. Ein vielstimmiger Aktionismus, Arbeit irgendwie, kompensierende Beschäftigung. Aber rechtfertigt das schon ein NEU!, das abgenutzteste Adjektiv in Kunst, Werbung und Leben? Oder verbirgt sich hinter dem Ausstellungstitel doch eher ein „Wetterleuchten in der Hosentasche“, wie Fabian Bechtle, einer der beteiligten Künstler es nennt?

Der Titel deutet eher eine dezente Allmachtsfantasie an. Indem die Künstler ein „Neues Wetter“ behaupten, das es ja weder semantisch noch physikalisch überhaupt geben kann, scheint der Wunsch der jungen Leute auf, das Wetter so zu gestalten, wie sie es selbst gern hätten. Das haben Despoten und Potentaten vorher schon versucht, indem sie Flugzeuge aufsteigen ließen, die Ladungen voller Chemikalien in den Himmel feuerten. Gebracht hat es nichts, die Ruinen der Moderne sind jederzeit zu besichtigen.

Die dreizehn Künstler ziehen sich in die unverdächtige Abgeschlossenheit von Schaukästen zurück. Diktatoren in a nutshell. Sie bauen Barrikaden, errichten Baustellen, sperren die Welt ein – so wie Florian Rossmanith die Hollywood Hills. Oder platzieren sie in porträtistischer Manier als Abbild aus Pappe auf einem Tisch – wie Oskar Schmidt.

Gemeinsam mit den anderen schweben sie ganz locker durch die Medien Installation, Fotografie, Zeichnung und Objekt. Wer wird sie dafür lieben? Ganz sicher Benjamin Röders „lipmachine“. Raschelnd wirft sie ihre Küsse in den Raum.

Robert Schimke

pdf-datei: NeuesWetterLeipzigMuenchenKuenstler.pdf

einladungskarte: wetterkarte.pdf